Walliser Schwarznasen – Kein Garten-Accessoire, sondern Gebirgstiere mit Haltung
Immer wieder erhalte ich mails und persönliche Nachrichten in den sozialen Medien mit Fragen zu Problemen in der Haltung der Schwarznasen. Und manchmal sträuben sich bei mir die Nackenhaare über soviel Unwissenheit!
Ja, sie sind süß. Aber sie sind keine lebendigen Dekoelemente, die man einfach grad mal so ins Gärtchen oder lieber noch auf den Balkon stellen kann. Und schon gar nicht für Anfänger, die meinen, mit einem „Päärchen“ mal locker ins Schäferleben zu starten. Also gut – Zeit für ein bisschen Klartext.
1. Schwarznasen sind Gebirgstiere – keine Balkon-Haustiere
Diese Rasse wurde für karge Bergweiden auf bis zu 3000 Metern Höhe gezüchtet. Hitze? Vertragen sie schlecht.
Flachland mit saftigen, fetten Wiesen? Führt schnell zu Hufproblemen, Durchfall oder Koliken.
Unsere Schafe verbringen den Sommer auf über 2500 Höhenmetern. Dort ist es kühl, trocken, steinig, mit Schneeflächen zum drauf liegen – genau ihr Ding.
Wer also denkt, er tut dem Tier einen Gefallen, wenn es im Obstgarten sattes Gras und Fallobst naschen darf, irrt. Und zwar gewaltig.
Ich bin auch nicht sonderlich Fan davon, dass die Schwarznasen nun in allen Klimaregionen beheimatet werden. Wir halten hier schließlich auch keine Kängurus' oder? Ich hatte schon Anfragen von Ibiza, Marokko, Portugal und Hongkong..... Und nein, wir machen keinen Export - egal wie dein Angebot aussieht.
Ja klar, ein Stück weit können alle Tiere sich adaptieren. Es gibt bei uns auch Shetland- und Islandponys, schottische Hochlandrinder, Lamas usw. Trotzdem sollten die Grundbedürfnisse gut abgeklärt werden von jeder Tierart.
2. Einzelschaf? Ein Pärchen? Bitte nicht.
Schwarznasen sind Herdentiere. Punkt.
Nicht „so ein bisschen“, sondern absolut. Wer ihnen keine echte Herde bietet, versaut ihnen das Leben. Zwei Tiere sind keine Herde – vier sollten es mindestens sein.
Und bevor du fragst:
Ziegen oder andere Schafrassen zählen nicht als gleichwertige Gesellschaft. Schwarznasen haben einen ganz eigenen Rhythmus, ein anderes Fressverhalten und ein starkes Gruppengefühl innerhalb ihrer Rasse. Wenn sie mit „Fremden“ leben, ist das wie du mit Kollegen auf Dauerurlaub. Klingt schief? Ist es auch. Auch wenn sie sich durchaus mit anderen Tieren vertragen. Das Herdengefühl gibt es aber nur mit Gleichgesinnten.
3. Der Widder: Kein Plüschbär, sondern ein echtes Alphatier
Nein, du brauchst keinen Widder zum Start. Im Gegenteil:
Bitte niemals mit einem Widder beginnen!
Wenn sie mal gedeckt haben, müssen sie separat gehalten werden – Inzucht ist ein reales, ernstzunehmendes Thema.
Widder sind keine Kuscheltiere. Sie können gefährlich sein. Wer züchten möchte, soll das später und verantwortungsvoll tun – mit Planung, Wissen und guten Genetikkenntnissen. Für den Anfang gilt: Leihen statt halten.
4. Keine Rasenmäher – sondern Lebewesen mit Bedürfnissen
Die Idee, sich ein paar Schwarznasen für den Garten zu holen, damit das Gras kürzer bleibt, ist leider genauso absurd wie populär.
Schwarznasen sind keine Maschinen. Sie sind Lebewesen mit Charakter, Bedürfnissen, Eigenheiten – und sie brauchen tägliche Zuwendung, Pflege, Gesundheitskontrolle und vor allem: artgerechte Haltung.
Das hier sind Bergschafe mit Herz und Stolz. Keine Gartendekoration.
5. Pflegeleicht? Schön wär’s.
Schwarznasen brauchen:
- Zwei Schuren im Jahr – sonst gibt’s Filzplatten auf dem Rücken. Hast du jemand der das macht? Oder kennst du jemanden? Ja, das kostet was und für die Wolle kriegst du nichts - also Geschäft ist es keins....
- Regelmäßige Hufkontrolle und -pflege, besonders im Flachland.
- Aufmerksamkeit für die Hörner – bei Verletzungen können sich sonst Maden einnisten - nicht sehr appetitlich.
- Und: Wissen über Wundpflege, Trächtigkeit und Lämmerpflege, Impfungen, Kastration usw. Nicht immer läuft alles glatt und Tierärzte sind nicht immer sofort zu Stelle und kosten ne Menge Geld.
- Ja, nimm deine Schäferaufgaben ernst, kleine Widderlämmchen müssen kastriert werden. Viele lassen das sein aus Bequemlichkeit und verkaufen die Widder dann an die nächsten Anfänger, welche diese gross gewordenen Tiere einfachheitshalber kastrieren wollen. Kann bei Schwarznasen problematisch werden, sie vertragen Narkosen sehr schlecht!
- Stimmt das Futter nicht, kommen noch Kosten für Mineralstoffe und Vitamine dazu, da es sonst zu Missbildungen führen kann.
Sie mögen menschenbezogen und zutraulich sein – aber genau das führt dazu, dass sich viele überschätzen.
Sympathie ersetzt kein Fachwissen.
Also, willst du wirklich Schwarznasen halten?
Dann hier ein kleines Quiz:
- Hast du mindestens vier Schafe geplant?
- Hast du eine Haltungsform, die an den natürlichen Lebensraum angepasst ist?
- Hast du Lust auf tägliche Pflege, Wurmmanagement, Impfungen, Kastration, Schur, Tierarzt, Klauenpflege und Co?
- Bist du bereit, nicht mit einem Widder zu starten?
- Hast du dich informiert, bevor du dich verliebt hast? Mit meinem Buch zum Beispiel?
Wenn du alle Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, dann: Willkommen im Club der echten Hüterinnen und Hüter.
Mehr Insiderwissen findest du in meinem Minikurs: Leben mit dem Schwarznasen!
Wenn nicht – dann schau dir lieber ein Schwarznasen-Video an. Oder werde Pate von einem unserer Schwarznasen.
Zum Wohle der Tiere - immer wieder! Danke
Fabienne
P.S: Habe ich etwas vergessen? Schreibe es gerne im Kommentar, woran auch gedacht werden soll.

danke sehr für die ausführliche und hilfreiche Info zum Wohl der Tiere!!!
Müssen zugeben das haben wir nicht über diese Rasse gewusst nochmals Danke
LG Gisela u Maciek
Hi, wie schaut es mit der Hütearbeit mit Hund an dieser Rasse aus?
Bei uns im Wallis werden die meisten Herden ohne Hütehunde gehalten. Weil wir erstens meistens nur kleine Herden im Nebenerwerb haben, zweitens die Tiere sehr gruppenkonform zusammenbleiben, menschenbezogen sind und so sehr einfach folgen bei Weidwechsel. Zudem braucht es für die Schwarznasen einen wirklich selbstbewussten Hund, da sich die Schafe durchaus mal umdrehen können, sich dem Hund frontal zuwenden und stampfen. Mit den Hörnern sind sie doch eine sehr imposante Erscheinung. Aber ich kenne auch einige Bauern, die den Hütehund erfolgreich einsetzen mit Schwarznasenherden.
Hallo,
vielen Dank für diesen Beitrag! Auch ich wollte unbedingt eine Herde Schwarznasen, habe mich jetzt aber auch aufgrund dieses Blogeintrags dagegen entschieden.
Obwohl wir jahrelang eine kleine Herde (8 Tiere, Pommersches Landschaf) hatten, ich extra einen Schafschererkurs wegen der zweiten Schur gemacht habe und natürlich auch das Buch besitze, liegen unsere Wiesen nun mal in der norddeutschen Tiefebene. Dass die Schwarznasen hier nicht hergehören, habe ich instinktiv natürlich vorher bereits gewusst, aber manchmal braucht es eben auch klare Worte! Und vielleicht machen wir ja mal Urlaub auf der Schafswiese…
Herzliche Grüße
Kristina