Q & A rund um das Walliser Schwarznasenschaf 

Zur Zeit ist Jagd_Fee (finde auf Instagram) bei uns auf dem Hof und hilft kräftig mit bei der Heuernte. Sie hat ihre Community gefragt, ob sie Fragen hätte über Hof, Tiere und Landwirtschaft.
Da sich diese Fragen mit denen meiner Community decken, dachte ich, ich eröffne mal eine Q&A Seite mit den meist gestellten Fragen.

Hinterlasse gerne im Kommentar deine Frage und ich werde antworten.

Q & A über die Walliser Schwarznasenschafe

Klicke auf die 3 Pünktchen und die Antwort wird dir angezeigt. 

1. Werden die Schafe für die Landschaftspflege gehalten, oder auch für Fleisch/Wolle/Milch?

Die Schwarznasen werden hauptsächlich aus Liebhaberei und für die Landschaftspflege gehalten. Das Fleisch ist zwar mager und fein, aber die Tiere sind eher klein und als Fleischlieferant nicht so ergiebig. Die Wolle scheren zu lassen kostet mehr als der Ertrag aus der Wolle. Die Schwarznasen lassen sich ungern melken und haben zu wenig Milch um daraus Produkte herzustellen. 

 

2. Gibt es Probleme mit Wölfen?

Im Moment nicht! Wir sind auf der Sonnenseite im Wallis und er ist eher auf der Schattenseite anzutreffen. Wir glauben, dass dem Wolf entweder zu heiss ist im Sommer oder auch zu touristisch. Zudem ist die Waldgrenze tiefer. Lies auch "Der faule Bauer".

 

3. Wieso gibt es auf der Alpe keine Zäune?

Unsere Alpe ist offiziell als nicht schützbar eingestuft. Es ist sehr felsig und dort einen hohen Zaun aufzustellen wäre eine echte Herausforderung. Zudem ist es Wandergebiet. Auch für die Wildtiere wie die Gämsen wäre ein Zaun in ihrem Gebiet fatal und würde bestimmt viele Opfer fordern. 

 

4. Wieso sind die Schafe ohne Hirt und Hund?

Wir haben im Wallis meistens kleine und enge Alpen. Wir dürfen beispielsweise nicht mehr als 80 Tiere hochbringen. Für 80 Tiere lohnt sich keine Behirtung. Nun, der Hund ist eigentlich eine gute Idee, aber leider frisst er das feine Alpenkraut nicht. Also müsste mindestens einmal täglich jemand Futter hochbringen und menschliche Zuwendung geben, damit der Hund nicht plötzlich eine Gefahr für die Menschen wird, was einen Zeitaufwand von gut einem halben Tag bedeutet, da unsere Alpen nicht bis ganz oben wo die Schafe sind befahren werden können. Das ist leider nicht bezahlbar.

 

5. Die Schafe sind also ganz alleine auf der Alpe?

Allein, aber nicht einsam. Sie kennen ihr Gebiet sehr gut und sind standorttreu. Sie bleiben dort, haben ihren Turnus wo sie wann fressen. Wir gehen sie dreimal in der Woche besuchen und manchmal bringen wir ihnen auch was mit;-). Im Herbst für die Abalpung kommen sie uns oft sogar schon entgegen. 

6. Wann werden die Schafe geschoren?

Schwarznasenschafe sollen unbedingt zweimal im Jahr geschoren werden: Im September und Februar/März. Warum und wieso kannst du hier nachlesen: Schafe scheren

 

7. Wie alt werden Schwarznasenschafe?

Unser aktuell ältestes Schaf ist 14 Jahre alt. Das ist aber schon ein beträchtliches Alter und es geht schon seit 3 Jahren nicht mehr zum Widder. Es geniesst einfach sein Gnadenbrot. 

 

8. Sehen die überhaupt etwas?

Den Jungtieren fallen die Locken über das Gesicht, ja. Bei den älteren Tieren werden die Locken über die Augen nicht mehr ganz so lang. Die Schafe sind es gewohnt - das ist wie bei den Ponys und ihrem Schopf. Aber tatsächlich scheren wir unseren Tieren das Gesicht ein wenig frei bevor sie auf die Alpe gehen, damit sie die Felsen und Steine besser erkennen können. 

 

9. Woran erkenne ich bei den Jungtieren ob es ein Weibchen oder Männchen ist?

In einer Herde sind meistens alles Weibchen, denn ein ausgewachsener Widder kann gut auf 15 Tiere gehalten werden. Du erkennst den Widder an den imposanten Hörner. Bei den Jungtieren erkennt man die Weibchen am schwarzen Schwanzfleck.

10. Wie oft gibt es Lämmchen?

Schwarznasenschafe können das ganze Jahr über aufnehmen. Wir machen aber Geburtenkontrolle und haben die Herde in zwei Partien aufgeteilt. Eine Gruppe kriegt die Lämmchen im September, die andere im März. Schafe tragen 5 Monate, könnten also zweimal im Jahr gebären, was aber die Tiere zu sehr belastet. 

11. Wieso haben die Schwarznasen Glocken?

Nicht alle Tiere einer Herde tragen Glocken. Meistens sind es die ganz zahmen, die Leittiere, die, welche dem Menschen leicht und gut folgen. So helfen sie mit, dass ein Weidwechsel leichter von statten geht, da die Tiere den Glockenklang ihrer Leittiere kennen und ihm folgen. 
Grosse Glocken tragen die Tiere nur an den Ausstellungen. Für den Alltag werden kleinere eingesetzt. 

12. Wieso dürfen die Widder nicht auf die Alpe?

Eine Abmachung der Schäfer untereinander - keiner nimmt den Widder mit. So gibt es kein Theater mit Herden auf benachbarten Alpen, denn sie können einander von Weitem riechen und in ihrer Natur ist es, die Herde zu vergrössern und sich neue Auen zu suchen. Kämpfe zwischen zwei Widder können tödlich enden. 

13. Wieso haben Schwarznasen keine Schwänze?

Also unsere haben welche. Wir sind ein Biobetrieb und dürfen die Schwänze nicht kupieren. Allerdings ist das für viele Bauern ein Grund nicht Bio zu sein, denn das Kupieren der Schwänze hat für die Tiere einen gesundheitlichen Aspekt und ist kein Schönheitswahn.
1. Die Lämmchen haben bei der Umstellung auf das Grünfutter oft Durchfall. Der getrocknete Kot rund um den Schwanz wird hart und schwer und scheuert beim Laufen die Beine der Tiere auf. 

2. Gerade an Lämmer ist der Fuchs durchaus interessiert. Der lange Schwanz ist eine wunderbare Angriffsfläche, an denen das Lamm gepackt und zu sich gezogen werden kann. 

3. Die Schwarznasen sind vor allem im Sommer in sehr felsigem Gelände unterwegs. Bei langen Schwänzen ist die Gefahr zwischen zwei Steinen hängen zu bleiben viel grösser. 

14. Sind die Tiere im Winter im Stall oder Auslauf?

Unsere Tiere sind im grossen, hellen Stall im Winter, dürfen aber regelmässig rausgehen. Auf der Weide liegt aber grösstenteils eine dicke Schneeschicht (wir sind auf 1200 Höhenmeter) und die Tiere sind manchmal gar nicht so scharf darauf rausgehen zu können;-)

15. Wie geht das mit dem lammen? Machen sie mehr Probleme als andere Schafe?

Unsere Tiere machen das ganz alleine und problemlos. Wir achten darauf, nur Walliser Widder zuzulassen, da die Tiere eher klein und fein sind. Probleme mit Missbildungen und Aborten haben wir selten bis nie. Wir füttern auch absolut gar nichts zu. Es gibt nur Heu und Gras. Falls das bei dir oft vorkommt solltest du die Haltung überdenken. Bei aller Liebe zu den Tieren - sie passen nicht in jedes Gebiet und brauchen das Gebirge, eine eiweissarme Ernährung mit den im Gebirge üblichen Mineralien. 

Mehr Hintergrundwissen und Zusammenhänge erfährst du natürlich in meinem bäähsonderen Buch!

Was willst du wissen? Schreibe mir einen Kommentar.
Bäähsondere Grüsse
Fabienne

Fabienne Truffer


Fabienne Truffer lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Mädchen und einer Herde Schwarznasenschafen in einem kleinen Walliser Bergdörfchen. Entdecke auch ihre Homepage: www.fadenkorb.ch

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  1. Hallo,letzte Woche Sonntag musste ich für meine zwei Auen den TA rufen weil sie nicht mehr aufstehen konnten.Der TA stellte den Befall des Roten gedrehten Magenwurm fest ,obwohl die Auen mit Cydestin entwurmt wurden und bis an diesen Sonntag keinerlei Anzeichen von Schwäche hatten.Der TA entwurmte noch mal mit Zolvix ,spritzte Selen und Eisen .Daraufhin erholten die beiden sich auch .Am Donnerstag ,also 4 Tage später brach dann eine Aue wieder zusammen ,wieder TA der gab eine Glucose Infusion und sagte mehr kann man nicht machen. Seit dem liegt die Arme und kann höchstens zwei Minuten stehen .Sie Frisst und trinkt ist auch vom Kopf her fit nur das aufstehen klappt nicht .Hast du noch eine Idee was ich tun kann ?
    Gruß Walter Giese

    1. Hey Walter, das tut mir sehr leid. Ich bin keine Tierärztin und aus der Ferne ist immer schwierig. Wo sind die Tiere jetzt im Sommer? Wir haben manchmal Probleme mit den Tieren, die mit dem Widder als Gesellschaft nicht auf die Alpe gehen. Die Tiere vertragen die Hitze einfach sehr schlecht und brauchen die kühle Alpenluft.
      Alles Gute

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