Haltung der Schwarznasenschafe

By Fabienne Truffer | Allgemein

Du interessierst dich, Schwarznasenschafe zu halten. Dann solltest du das hier lesen:

Geschichte

„In der Gegend von Sitten konnten Ackerbau und Viehzucht schon für die Zeit um 5000 vor Christus nachgewiesen werden. In der gesamten Urgeschichte wurde innerhalb der Viehzucht im Wallis dem Schaf stets der Vorzug gegeben. Dabei blieb die Walliser Schafrasse vom Neolithikum bis zur Römerzeit ziemlich einheitlich. Hörnerlose Schafe kommen erstmals in der Bronzezeit vor.“

Das Urschaf hatte also eine wesentliche Eigeschaft mit der heutigen Schwarznase gemein – es hatte Hörner!

Leider gibt es sehr wenige Dokumente, über die Geschichte der Schwarznasen. Man munkelt, sie seien aus einer Mischung des Kupferschafes und den schwarzen Schafen entstanden. Im 19. Jahrhundert tauchte der Begriff „die schwarznasige Rasse von Vispertal“ auf.

Das Rhonetal war lange Zeit Sumpfgebiet und an den kargen Berghängen herrschte Nahrungsknappheit. So sicherte eine Schafherde der Familie Nahrung, Kleidung und nicht zuletzt auch Geld. Die Schafe bedeuteten viel, im bäuerlichen Alltag der Walliser. Sie standen für einfach Überleben können!

Unbewusst setzt sich diese Liebe und Dankbarkeit auch heute noch fort und viele viele Kleinstbauern hängen mit Herzblut an ihren Tieren.

Um 1920 stellt der Tierarzt Anton Amherd das Schwarznasenschaf wie folgt vor: „Es ist ein mittleres, gehörntes, gut gebautes, robustes, schnell sich entwickelndes, sehr fruchtbares Schaf, das sehr schmackhaftes Fleisch liefert und ein guter Futterverwerter ist!“ Das Schwarznasenschaf diente vorwiegend zur Selbstversorgung.

 

imageNahrung im Winter

Die Not war gross damals im Wallis…die Bewohner hatten nicht viel und so mussten auch die Tiere hart durch. Den Schafen musste im Winter oftmals trockenes Laub genügen. So sind die Tiere eine mastige Nahrung gar nicht gewohnt. Heu von Magerwiesen ist im Winter wunderbar. Es ist natürlich auf gute Qualität zu achten, am Besten ist Bioheu vom Berg! Ab und zu im Winter aber Laubheu zu verabreichen bietet eine willkommene Abwechslung. Die Blätter von der Linde, dem Ahorn oder der Esche eignen sich gut.

Stroh wird oftmals für die Einstreu verwendet. Die Tiere fressen alles Verwertbare heraus.

Ab und zu ein wenig „Gläck“ darf durchaus sein. Dafür eignet sich Kleie, Hafer- und Gerstenschrot, vermischt mit ein wenig Salz.

 

Unterkunft

Die Schwarznasen sind also zäh, gebirgsorientiert, draussen bei Wind und Wetter. Wie jedes Tier, fühlt sich die Schwarznase draussen am wohlsten. Wobei wir auch schon beobachtet haben, dass die Tiere im Winter gerne zurück in den Stall kehren. Mit den heutigen Auflagen in der Landwirtschaft sind die Ställe ja auch kleine Paradiese für die Tiere. So ist es keine Frage, dass der Stall hoch und hell ist, die Tiere genügend Platz haben. Zugluft, sowie dunstige und feuchte Luft ist zu vermeiden. Die Schafe haben sehr viel und dichte Wolle, so vertragen sie die Kälte besser als die Wärme. 10 Grad ist eine gute Temperatur für die Tiere. Wie jede stillende Frau weiss, ist Kälte nicht förderlich für die Milch. Darum sollte es im Stall mit säugenden Muttertieren ein wenig wärmer sein.

Die Futterraufen habe ich dir in diesem Beitrag schon gezeigt. Genügend Wasser, heutzutage wohl überall mit Selbsttränken, sind eine Selbstverständlichkeit!

 

Die Weide

imageAnfangs Juni werden die Schafe in die Höhe getrieben. Von den Voralpen geht es ab Ende Juni hoch hinauf, durchwegs über die Waldregion, auf über 2000 m.ü.M. Den Schafen mussten früher die magersten und kargsten Weideplätze genügen. Die anderen waren dem Vieh vorbehalten. So sind auch heute nur trockene Wiesen und Berghänge geeignet zum abweiden. Fette Flächen, Sumpfgebiet und stark durchfeuchtete Weiden eignen sich nicht.

Die Sonnenseite des Wallisertales ist viel Schafreicher als die Schattenseite. So brauchen die Tiere nicht lange im Stall zu bleiben. Im Winter fressen die Tiere die Weiden um die Dörfer ab, und im Frühling die Weiden ein wenig weiter entfernt von der Stallung, bis es immer höher geht. Quasi der Schneeschmelze nach bis oben…..

Wie schon erwähnt, sind die Tiere die Kälte besser gewohnt als die Hitze. So ist auf der Weide auf genügend Schatten zu jeder Tageszeit zu achten. Die Schafe haben sehr schnell zu heiss. Genügend frisches klares Wasser ist auch hier eine Selbstverständlichkeit.

 

Der Charakter

Der Charakter der Schwarznase muss auch erwähnt werden. Er spielt natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Haltung. Wer verschiedene Schafrassen zusammen hält merkt bald, dass die Schwarznasen nicht einfach Schafe sind. Die urwüchsige Rasse wurde in den letzten Jahrzehnten nicht gezüchtet, um irgendwelche wirtschaftliche Vorteile zu erhalten. Es wird wegen seinem imageEigensinn (mit dem sich der Walliser gut identifizieren kann), wegen seiner Schönheit und seiner Ursprünglichkeit so geliebt. Die Schwarznase gilt als wildtiernah, dem Berggebiet perfekt angepasst. In der geliebten Freiheit sind die Tage der Schwarznase gut strukturiert. Längere Rastzeiten im Schatten während des Tages: Schwarznasen ruhen mehr, als sie grasen. Ausgedehnte Wanderungen, Weidewechsel finden zügig in Kolonnen statt. Ein oder mehrere ältere Muttertiere fungieren als Leittiere und gehen voraus.

Die Schwarznasen haben ein sehr starkes Zusammenhaltsbedürfnis und bleiben in ihrer Gruppe. Die Rangfolge ist streng geregelt und wird immer wieder in kurzen, aber heftigen Kämpfen klargestellt.

Sie sind auch Standorttreu und kennen „ihre“ Weiden sehr gut! Bald biegen sie am richtigen Ort ein und kehren dort auf die Weide ein, wo sie hingehören.

Mit ein wenig Zuwendung sind die Tiere sehr treu, anhänglich, ruhig und lieb, erkennen ihren Hirten schon von weitem und kommen ihm entgegen. Sie sind äusserst friedfertig! Unsere Kinder bewegen sich von klein auf in der Herde und nie hätte eines der Tiere einem unserer Kinder ein Leid angetan. Trotzdem ist natürlich mit den Hörner Vorsicht geboten. Schnell ist unabsichtlich ein Horn in einem Kindergesicht. Genügend Respekt ist wie bei jedem Tier, immer einzuhalten.

 

Die Arbeit an den Schwarznasen

Wegen der starken Bewollung werden die Tiere zweimal im Jahr geschoren. Im Wallis ist es üblich, sie im Februar und Ende September zu scheren. Mehr zur Schafschur erfährst du hier!

Zudem muss den Tieren 1-2mal im Jahr die Klauen geschnitten werden (tschätwu).

Das Lammen geht grösstenteils alleine vor sich. Da die Tiere kleinstämmig sind gibt es eigentlich nur Probleme, wenn ein grösserer Widder einer anderen Rasse zum Decken eingesetzt wird.

Der sorgsame Schäfer beobachtet und kontrolliert seine Tiere regelmässig.

 

Die Krankheiten der Schwarznasen

Durch regelmässiges Auswechseln des Widders soll Inzucht vermieden werden. Ansonsten sind die Tiere bei artgerechter Haltung sehr gesund!

Moderhinke: eine entzündliche Klauenkrankheit bei Schafen und Paarhufern. Sehr schmerzhaft für das Tier. Die Klauen sind von einer schmierigen, grauweissen Masse überzogen, es stinkt faulig. Das Tier lahmt. Die Moderhinke ist hochansteckend. Befallene Tiere sollten sofort aus der Herde genommen werden. Da feuchte Böden förderlich sind für die Moderhinke ist die Krankheit im Wallis nicht sehr verbreitet. Mangelhafte Klauenpflege kann jedoch auch ein Auslöser sein. Achte sehr auf die Ernährung: Kein Klee und keine fetten Gräser, nicht zu eiweissreiches Futter.

Gämsblindheit: Befallene Tiere entwickeln eine starke Hornhautentzündung mit Augenausfluss und leicht milchiger Schicht über dem Auge. Die Tiere erblinden bei Nicht-Behandlung. Hochansteckend, auch da ist eine rasche Isolation und Kontakt mit dem Tierarzt unerlässlich.

Wurmbefall: Alle Weiden sollten natürlich immer gut kontrolliert werden. Kein Abfall und kein Kot von anderen Tieren. In manchen Stallungen wird im Frühling, vor dem grossen Grünen die ganze Herde entwurmt (besprich mit deinem Tierarzt, was in deiner Gegend üblich ist zum Entwurmen! Kotproben zum gezielten Entwurmen machen Sinn). Wenn du allerdings nicht eine riesige Herde hast, genügt es, sie regelmässig zu beobachten. Du siehst bald, welches Schaf „vom Fleisch fällt“. Nach Ausschliessen anderer Gründe kannst du dann dieses Schaf gezielt entwurmen.

Vorgläff: Es kommt vor, dass Lammer einen zu langen Oberkiefer haben und darum nicht gut fressen können. Man kann sie versuchen mit dem Schoppen aufzuziehen, aber teils können sie dann nicht mal selber das Gras abrupfen.

Hornkontrolle: Vor allem beim Widder kontrolliere immer wieder, ob zwischen Horn und Haut
imageeine Frauenhand dazwischen passt. Wachsen die Hörner zu nahe an die Haut kann das den Widder schmerzen und halb wahnsinnig machen. Zudem gibt das offene Stellen, an denen sich gerne Würmer einnisten. So kann es vorkommen, dass die Hörner auch mal ab müssen, wie hier bei diesem Widder.

Im Zweikampf verletzen sich manche Schafe rund um die Hörner. Desinfiziere diese Stellen und beobachte sie.

 

Es ist übrigens Gesetz, dass alle verabreichten Medikamente eingetragen werden müssen, und die Tiere je nach Medikament eine gewisse Zeitlang dann nicht zum Metzger gebracht werden können. Eine korrekte Handhabung dieser Massnahme ist Ehrensache.

 

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick geben. Ergänzungen und Anmerkungen nehme ich gerne entgegen und füge sie noch an.

Lieben Gruss

Fabienne

 

 

Quellen:

Die Schwarznase, Schafrasse des Oberwallis, Luzius Theler

Altes Handwerk und Brauchtum im Oberwallis, Maurus Schmid

Schaf-foren.de

Schweizer Tierschutz STS (STS-Report, Schafsömmerung 2014)

 

 

 

 

 

 

About the Author

Fabienne Truffer lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Mädchen und einer Herde Schwarznasenschafen in einem kleinen Walliser Bergdörfchen. Entdecke auch ihre Homepage: www.fadenkorb.ch

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