Ghornuti

Im Volksmund heissen die Schwarznasenschafe "Ghornuti" = Gehörnte. Denn bei den Schwarznasen hat Weiblein wie Männlein wunderbare Hörner. Manchen scheint das gar unheimlich und sie fürchten sich ein wenig vor diesen gehörnten Tieren. Nun, wir Walliser mögen alles mit Horn. Die Eringer, die Schwarzhalsziegen, die Schafe, ja sogar wir selber tragen immer wieder mal Hörner;-) Was nicht mit Boshaftigkeit gleichzusetzen ist. Neiiin, wäre ja viel zu simpel - aber mit Eigensinn, das schon...

Hornlos

In der Landwirtschaft und momentan sogar in der Politik wird über die Hörner eifrig diskutiert. Vorwiegend geht es da um die Kühe. Mit Horn oder ohne Horn, das ist hier die Frage. 

Zum Glück stellt sich diese Frage (zumindest in unserem Umfeld) gar nicht bei den Schafen. Die Hörner wegzuzüchten oder sie zu entfernen ist keine Option. Und trotzdem....

Das ist Amadeus - er war vor ein paar Jahren Widder in unserer Herde - ein lieber Kerl. Und trotzdem die Hörner bis zum Ansatz zurückgeschnitten. Warum? Das will ich dir erklären. 

Das Schönheitsideal

Als schön gilt bei den Schwarznasen, wenn ihre Hörner gleichmässig gerollt, nahe am Kopf sind und nicht zu sehr abstehen. Mit dem Wachstum kann es bei den Widder allerdings sein, dass die Hörner zu nahe am Kopf wachsen. Das Horn reibt so am Kopf des Widders und der ständige Druck macht ihn natürlich halb wahnsinnig, zum einen. Zum anderen können dadurch offene Stellen am Kopf entstehen, wo sich Maden einnisten. Dann geht es blitzschnell zu Ende mit dem Tier. Aus diesem Grund wurden Amadeus die Hörner zurück geschnitten.

Nichts ohne Grund

„Die Natur macht nichts vergeblich“ sprach der griechische Philosoph Aristoteles vor gut 2'300 Jahren. Und so sind auch die Hörner gewiss für etwas gut. Ich bin nicht dafür, dass man Tieren die Hörner abnimmt - weder beim Schaf noch bei den Kühen! Und natürlich, sollte man bei der Zucht darauf ein wenig achten und wenn möglich Widder mit einwandfreier Hornhaltung nachziehen. Aber eben, so früh ist das gar noch nicht ersichtlich. Und da Amadeus ansonsten schön gezeichnet ist und wir eh keine Widder nachziehen, bekam er einen tollen Platz in unserer Herde, statt beim Metzger wegen eingewachsener Hörner zu landen....!

Fazit

Dich als Schafhalter soll dieser Artikel eines lehren: Überprüfe immer wieder die Hörner, nicht nur beim Widder. 

Beachte regelmässig folgendes:

  • Beim Widder kontrollierst du regelmässig den Abstand vom Kopf zum Horn. Eine (Frauen-)Hand sollte sich dazwischen schieben lassen.
  • Die Schwarznasen machen immer wieder mal die Rangordnung unter sich aus mit heftigen Kopfstössen. Dabei kann ein Horn verletzt werden und muss desinfiziert werden, insbesondere im Sommer! Denn ein Horn lebt und ist keineswegs nur tote Masse! Je jünger das Tier umso besser durchblutet ist das Horn!
  • Ziehe ein junges Tier niemals an den Hörner (um es scheren zu können oder vorwärts zu bewegen). Das Horn ist noch weich und bricht schnell ab.
  • Versuche ein angerissenes oder verletztes Horn zu heilen indem es bandagiert wird. Bei Kühen werden verletzte Hörner gelegentlich sogar gegipst. Bei den gedrehten Schafshörner ist das wohl nicht ganz so einfach....! Nachwachsen tut es übrigens nicht! 
  • Rissige, brüchige Hörner kannst du auch gelegentlich mit Olivenöl einreiben. Hast du dieses Problem in der Herde bei mehreren Tieren, so überprüfe die Versorgung an Mineralien und Vitaminen. Besonders Silicium ist wichtig für die Hornzellen.
  • Spröde Hörner kannst du ein wenig abraspeln und mit Schmirgelpapier abschleifen damit es nicht noch mehr einreisst oder das Schaf hängen bleibt.
  • Ab und zu kann ein Horn auch ungleichmässig wachsen. Wie bei einem Baum an den Jahresringen, kann am Horn vieles vom Tier abgelesen werden. So hinterlassen Verletzungen, Medikamente, Mangelernährung, Infektionskrankheiten usw. Spuren am Horn. Ja sogar psychischen Stress, wie Verlust, Schock, Schmerz, Besitzerwechsel kann sich auf das Hornwachstum auswirken.


Aus Angst vor Verletzungen sollte man keinem Tier die Hörner wegnehmen. Natürlich muss im Umgang mit dem Tier der erhöhte Platzbedarf eingerechnet werden. Und immer kann etwas passieren - es erfordert Achtung und Respekt, denn ein Tier erschrickt und macht vielleicht eine falsch eingeschätzte Bewegung.

Aber aus unseren Beobachtungen lässt sich sagen, dass ein Schwarznasenschaf nie absichtlich einen Menschen mit seinen Hörner verletzen würde.

Also, alle Beweggründe Tiere zu enthornen zählen nicht, ausser denn, es dient der Gesundheit oder dem Leben des Tieres.

Aber die Verletzungsmöglichkeit unter Artgenossen zählt meiner Meinung nach nicht als Ausnahme. Denn wenn die Tiere artgerecht, mit dem nötigen Platz gehalten werden, kommt es nicht zu höheren Verletzungsraten.

Wie sind deine Erfahrungen mit den Hörnern? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.


Alles Gute für dich und deine Tiere

Fabienne

P.S: Mehr Haltungstipps erfährst du in meinem Buch über die Walliser Schwarznasenschafe

Fabienne Truffer


Fabienne Truffer lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Mädchen und einer Herde Schwarznasenschafen in einem kleinen Walliser Bergdörfchen. Entdecke auch ihre Homepage: www.fadenkorb.ch

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  1. Da bin ich voll auf deiner Seite.
    so viel mein Züchter mir mitgeteilt hat, gibt es in der Schweiz sogar die Möglichkeit, die Hörner zu spreizen. wie dies jedoch vor sich geht habe ich noch nicht herausgefunden. Weißt du darüber bescheid als Schweizerin?
    Viele Grüße aus Baden
    Alexandra

    1. Hey Alexandra

      Danke für deinen Kommentar! Ja, ich habe so Spreizgestelle schon gesehen. Aus Metall mit Schrauben, müssen individuell angepasst werden. Fast so ähnlich wie eine Zahnspange. Kenne aber niemanden der das in meinem Umfeld gemacht hat.
      Lieben Gruss
      Fabienne

  2. Hallo Fabienne,
    danke für dein Wervolles Buch.. Wir sind keine Neulinge was Schafe anbelangt, aber Neulinge mit Schwarnasen. Dein Buch ist toll!
    Eines unserer Schafe ist jetzt 8Monate und sie hat wie ein kürzeres Beihorn… Es war wie abgespaltet als wir sie zu uns holten und wenn man es bewegte hat sie darauf reagiert. Leider haben da alle gesagt wir sollen es so lassen das falle dann mit der Zeit ab. Jetzt ist es aber so dass es auch mitwächst einfach nicht ganz so fest, Es liegt sehr nah am Kopf und geht nach vorne richtung Augen. Ich möchte es sicherheitshalber entfernen dass sie es nicht selber abreisst. Hast du ein Tipp oder eine Lösung für mein Problem??
    liebe Grüsse Tamara

    1. Hey Tamara
      Das kommt immer wieder mal vor. Wir reissen diese Beihörner möglichst früh raus. Abdrehen und rausziehen. Dann sehr gut
      desinfizieren und immer wieder kontrollieren.
      Hoffe das klappt.
      Liebe Grüsse
      Fabienne

      1. Hallo Fabienne
        Danke für deine Antwort, der Tierarzt hat es jetzt abgesägt… Alles gut gegangen..
        Darf ich noch fragen ob du einen guten Schafscherer kennst der in die Region Brugg Aargau kommen würde? vielen lieben Dank
        Tamara 079 6967553

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