Gehörnte Schafe

By Fabienne Truffer | Allgemein

Tja so ist es! Schwarznasenschafe haben Hörner. Weiblein wie Männlein. Manchen scheint das unheimlich und sie fürchten sich ein wenig vor diesen gehörnten Tieren. Nun, wir Walliser mögen alles mit Horn. Die Eringer, die Schwarzhalsziegen, die Schafe, ja sogar wir selber tragen immer wieder mal Hörner:-) Was nicht mit Boshaftigkeit gleichzusetzen ist. Neiiin, wäre ja viel zu simpel!

In der Landwirtschaft und momentan sogar in der Politik wird über die Hörner eifrig diskutiert. Vorwiegend geht es da um die Kühe! Mit Horn oder ohne Horn, das ist hier die Frage!

Zum Glück stellt sich diese Frage (zumindest in unserem Umfeld hier) gar nicht bei den Schafen. Die Hörner wegzuzüchten oder sie zu entfernen ist keine Option. Und trotzdem….

Schwarznasenschaf Widder

 

Das ist unser Widder Amadeus! Amadeus ist ein lieber Kerl! Wir haben ihn vom vorigen Besitzer so übernommen – die Hörner bis zum Ansatz zurück geschnitten. Warum? Das will ich dir erklären!

Als schön gilt bei den Schwarznasen, wenn ihre Hörner gleichmässig gerollt sind, nahe am Kopf und nicht zu sehr abstehen. Mit dem Wachstum kann es bei den Widder allerdings sein, dass die Hörner zu nahe am Kopf wachsen. Das Horn reibt so am Kopf des Widders und der ständige Druck macht ihn natürlich halb wahnsinnig, zum einen. Zum anderen können dadurch offene Stellen am Kopf entstehen, wo sich Maden einnisten. Aus diesem Grund wurden Amadeus die Hörner zurück geschnitten.

„Die Natur macht nichts vergeblich“ sprach der griechische Philosoph Aristoteles vor gut 2’300 Jahren. Und so sind auch die Hörner gewiss für etwas gut. Ich bin nicht dafür, dass man Tieren die Hörner abnimmt – weder beim Schaf noch bei den Kühen! Und natürlich, sollte man bei der Zucht darauf ein wenig achten und wenn möglich Widder mit einwandfreier Hornhaltung nachziehen. Aber eben, so früh ist das gar noch nicht ersichtlich. Und da Amadeus ansonsten schön gezeichnet ist und wir eh keine Widder nachziehen, bekam er einen tollen Platz in unserer Herde, statt beim Metzger wegen eingewachsener Hörner zu landen….!

Dich, als Schafhalter soll dieser Artikel eines lehren: Überprüfe immer wieder die Hörner, nicht nur beim Widder.

  1. Beim Widder kontrollierst du regelmässig den Abstand vom Kopf zum Horn. Eine (Frauen-)Hand sollte sich dazwischen schieben lassen.
  2. Die Schwarznasen machen immer wieder mal die Rangordnung unter sich aus mit heftigen Kopfstössen. Dabei kann ein Horn verletzt werden und muss desinfiziert werden, insbesondere im Sommer! Denn ein Horn lebt und ist keineswegs nur tote Masse! Je jünger das Tier umso besser durchblutet ist das Horn!
  3. Ziehe ein junges Tier niemals an den Hörner (um es scheren zu können oder vorwärts zu bewegen). Das Horn ist noch weich und bricht schnell ab.
  4. Versuche ein angerissenes oder verletztes Horn zu heilen indem es bandagiert wird. Bei Kühen werden verletzte Hörner gelegentlich sogar gegipst. Bei den gedrehten Schafshörner ist das wohl nicht ganz so einfach….! Nachwachsen tut es übrigens nicht!
  5. Rissige, brüchige Hörner kannst du auch gelegentlich mit Olivenöl einreiben. Hast du dieses Problem in der Herde bei mehreren Tieren, so überprüfe die Versorgung an Mineralien und Vitaminen. Besonders Silicium ist wichtig für die Hornzellen. Spröde Hörner kannst du ein wenig abraspeln und mit Schmirgelpapier abschleifen damit es nicht noch mehr einreisst oder das Schaf hängen bleibt.
  6. Ab und zu kann ein Horn auch ungleichmässig wachsen. Wie bei einem Baum an den Jahresringen, kann am Horn vieles vom Tier abgelesen werden. So hinterlassen Verletzungen, Medikamente, Mangelernährung, Infektionskrankheiten usw. Spuren am Horn. Ja sogar psychischen Stress, wie Verlust, Schock, Schmerz, Besitzerwechsel kann sich auf das Hornwachstum auswirken.

Aus Angst vor Verletzungen sollte man keinem Tier die Hörner wegnehmen. Natürlich muss im Umgang mit dem Tier der erhöhte Platzbedarf eingerechnet werden. Und immer kann etwas passieren – es erfordert Achtung und Respekt, denn ein Tier erschrickt und macht vielleicht eine falsch eingeschätzte Bewegung. Aber aus unseren Beobachtungen lässt sich sagen, dass ein Schwarznasenschaf nie absichtlich einen Menschen mit seinen Hörner verletzen würde.

Also, alle Beweggründe Tiere zu enthornen zählen nicht, ausser denn, es dient der Gesundheit oder dem Leben des Tieres. Aber die Verletzungsmöglichkeit unter Artgenossen zählt meiner Meinung nach nicht als Ausnahme. Denn wenn die Tiere artgerecht, mit dem nötigen Platz gehalten werden, kommt es nicht zu höheren Verletzungsraten.

Alles Gute für dich und deine Tiere

Fabienne

 

 

About the Author

Fabienne Truffer lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Mädchen und einer Herde Schwarznasenschafen in einem kleinen Walliser Bergdörfchen. Entdecke auch ihre Homepage: www.fadenkorb.ch

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