Immer Ende Juni ist es soweit: Das Aufalpen unserer Schafe. Die Tiere sind meistens nicht zu bremsen wenn es soweit ist.

Eine Woche vorher bringen wir sie auf eine Voralpe. Von da aus geht es ca. 1.5 Stunden zu Fuss, bis wir auf 2000m.ü.M sind. Dort laufen die Schafe noch weiter hoch und fressen die Alpweiden ab. 

Der Weg führt durch den Wald....

...dieses Jahr gab es ein paar Hürden zu nehmen. Ein Gewitter zog über uns durch und wir wurden klatschnass. Dann stellten sich uns Kühe in den Weg und wir mussten ein wenig energisch den Platz verteidigen. 

Aber dann doch heil und zufrieden angekommen. Es ist jedes Mal eine Freude zu sehen, wie die Schafe von dannen ziehen und ihre Freiheit, die Höhe, die Bergkräuter, das kühle Lüftchen geniessen. Das ist ihr natürlicher Lebensraum. 

Durch den nahen Kontakt mit den Paten unserer Walliser Schwarznasen wissen wir, welche Fragen die Leute auch immer beschäftigt. "Wieso ist es wichtig, dass die Alpen abgeweidet werden", ist zum Beispiel eine von ihnen.

Warum sollen die Alpen abgeweidet werden?

Werden die Alpen nicht abgeweidet bleibt das Gras relativ hochgewachsen, trocknet und bleibt als Stroh liegen. Der Schnee drückt es nieder und bildet eine dünne aber gefährliche Isolationsschicht über der Erde: Dadurch dringt der Frost nicht oder nur wenig in die Erde, die Schneedecke kann sich nicht festsetzen und es kann zu viel mehr Lawinenabgängen kommen. 

Diese Lawinen sind dann sehr oft mit dem langen Gras darunter vereist. So reisst der Schnee die gesamte Grasschicht inklusive Wurzeln mit. Bei weiteren Lawinen geht noch mehr Erde mit, bis die ganze Humusschicht abgetragen ist. 

An diesen Stellen wächst sehr lange nichts mehr. In dieser langen Zeit jedoch ist der nackte Boden der Erosion frei ausgesetzt, er wird ausgewaschen, weitere Niedergänge sind zu erwarten. 

Das Wasser sickert tief in die unteren Bodenschichten ein, was im Folgejahr im Tauwetter wenn das gefrorene Eis auftaut und sich dabei ausdehnt, wiederum Bodenschichten löst und in Bewegung bringt. 

Die Erosion ist nicht aufzuhalten und dabei auch das Vordringen und Auftauen in Schichten vom wichtigen Permafrost. Dieser Tauvorgang führt zu unabschätzbaren Risiken von Erosion und Schutt- und Schlammlawinen, wie beispielsweise jene beim massiven Bergsturz am Jengalo 2017 bei Bondo im Graubünden.

Hier im Bild kannst du braune kahle Stellen am Hang erkennen. Mit einem Klick auf das Bild kannst du es vergrössern. 

Aber zur Alpbewirtschaftung gibt es noch mehr zu sagen. Und das wissen die wenigsten Menschen:

Alpwirtschaft - ein Kollektives Wirtschaftssystem mit weltweitem Vorbildcharakter!

Denn die Alpbewirtschaftung in der Schweiz ist ein einzigartige System von Kollektivbesitzern und das wäre wegweisend für viele wirtschaftliche und politische Strukturen. Vor allem im Hinblick auf eine gemeinsame, Ressourcenorientierte Wirtschaft und Arbeitsweise!

In der Schweiz ist es grösstenteils so, dass Wälder, Alpweiden und Gewässer im Besitz von Bürgergemeinden, Genossenschaften und Vereinen sind, die von diesen verwaltet werden. Diese Kulturlandschaften werden von diesen  Kollektivbesitzern genutzt, aber auch gepflegt und erhalten. 

Es geht dabei nie um Gewinn, sondern darum diese Ressourcen erhalten zu können – das hat viel mit Identität zu tun – und es gibt dabei strenge Regeln, wer diese Ressourcen wie nutzen kann. 

Der Nobelpreis zeigt: Dieses System verdient mehr Anerkennung und Unterstützung!

Die US-Politologin Elinor Ostrof widerlegte die bis anhin geltende Meinung, dass natürliche Ressourcen automatisch übernutzt und zerstört werden, wenn sie nicht privatisiert oder durch den Staat verwaltet werden. Für ihre Arbeiten erhielt Ostrom 2009 als erste und bisher einzige Frau den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. *

Diesbezüglich gilt die Schweiz international als Paradebeispiel für eine umweltverträgliche kollektive Ressourcennutzung. Eine grössere Anerkennung für die oft unentgeltlichen Arbeiten dieser Kollektivbesitzern wäre wichtig für eine nachhaltige Entwicklung der Natur in den Alpen. 

An dieser Stelle muss auch auf die Thematik Wolf hingewiesen werden (siehe auch "Faule Bauern". Zahlreiche Alpen werden verlassen, Landwirte geben die Schafzucht auf, höchstkompetente Hirten wenden sich einem anderen Beruf zu. Das Alp-Sterben ist eine tragische Entwicklung für unser Ökosystem und für unsere Sicherheit.

Da ziehen sie hin. Einige kehren sich nochmals um, wie zum Lebewohl sagen, holen sich noch extra Streicheleinheiten, bevor sie lustig hinter der Herde nachtraben. Sie bleiben dort in ihrem Gebiet. 
Für 60 Tiere lohnt sich keine Behirtung. Es ist, wie fast überall im Wallis, eine kleine Alpe. Mehr als 80 Tiere dürften wir gar nicht alpen. 
Wir besuchen sie, mehrmals die Woche. Sie erkennen uns und kommen von weit her entgegen. Das ist immer sehr eindrücklich.
 
Mögen sie genussvolle Ferien erleben und heil im September zurückkehren. 

Fabienne Truffer


Fabienne Truffer lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Mädchen und einer Herde Schwarznasenschafen in einem kleinen Walliser Bergdörfchen. Entdecke auch ihre Homepage: www.fadenkorb.ch

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  1. liebe fabienne, vielen dank für das päckli
    mit den herzigen föteli von schnucki und
    dem schafwollä schöfli.
    han riesig freud.
    gerne werde ich mich mal bei dir melden,
    um schnucki zu besuchen.
    liebe grüsse olivia

  2. Hallo Fabienne!
    Ich bin gerade daran ein Strick und ‘Slow Stitch’ Retreat auf der Riederalp zu organisieren. Im August 2018 hoffe ich da mit etwa 15 Strick und Handwerk begeisterten eine Woche in den Bergen zu verbringen, und ich würde so gerne meinen amerikanischen Kolleginnen ein paar Walliser Schwarznasen Schafe zeigen oder einen Alphirten zum Gespräch einladen. ich denke viele der vorraussichtlichen Teilnehmerinnen kennen das freie Weideprinzip nicht und würden das immens interessant finden. Und da sie alle auf Schafe verrückt sind, falls wir irgendwie ein Schaf-Menschen treffen organisieren könnten, währe das natürlich super!
    Ich weiss natürlich nicht wei weit Sie von der Riederalp sind, oder ob sie vielleicht jemanden kennen, der näher ist und uns verbinden könnten.
    Ich würde mich auch freuen, (habe das Unten gesehen, im Kommentar von Olivia) falls Sie uns vielleicht einen Kleinkurs im Schafwulle Schöfli machen anbieten könnten, ich nehme an die sind super süss und aus roher Wolle? Ich denke, das währe ein super Souvenir für meine Frauen!

    Mein name is Simone und ich bin ursprünglich aus Basel, wohne jetzt aber in den Staaten, mein email ist owlcatdesigns at gmail

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